Wenn Bund und Land in der Bildungspolitik zu wenig Verantwortung übernehmen, müssen am Ende die Kommunen die Folgen tragen. Das zeigt sich auch in Wernau – bei der frühkindlichen Bildung ebenso wie bei der Ganztagsschule.
Frühkindliche Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen
Bildung ist keine Privatsache – und sie beginnt nicht erst mit der Einschulung. Heute wird vielfach vorausgesetzt, dass Kinder bereits in der Kita wichtige sprachliche, soziale und kognitive Grundlagen erwerben. Wer sein Kind aus finanziellen Gründen nicht betreuen lassen kann, riskiert deshalb Nachteile beim Schulstart. Damit wird eine gesellschaftliche Aufgabe teilweise auf die Familien verlagert.
Die Debatte im Wernauer Gemeinderat hat diesen Zielkonflikt deutlich gemacht. Obwohl die finanziellen Spielräume der Stadt eng sind, lehnte der Gemeinderat die von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung der Elternbeiträge ab. Diese orientierte sich an den Empfehlungen der kommunalen Landesverbände. Der Beschluss war finanziell schmerzhaft, aber politisch richtig: Der Zugang zu frühkindlicher Bildung darf nicht davon abhängen, wie viel eine Familie bezahlen kann oder will.
Dass andere Bundesländer Elternbeiträge ganz oder teilweise abgeschafft haben, zeigt zudem: Eine stärkere öffentliche Finanzierung ist möglich. Dafür braucht es jedoch verlässliche Entscheidungen auf Landesebene, statt die Verantwortung immer weiter an Städte, Gemeinden und Familien zu delegieren.
Ganztagsschule als Bildungsangebot
Auch nach dem Unterricht darf Bildung nicht stillschweigend ins Elternhaus verlagert werden. Hausaufgaben, Übung und Förderung hängen sonst stark davon ab, wie viel Zeit, Wissen und Geld Eltern aufbringen können. Lernen sollte deshalb verlässlich in schulischer Verantwortung stattfinden.
Eine gebundene Ganztagsschule ist aus unserer Sicht die konsequente Antwort. Sie verbindet Unterricht, Förderung, Bewegung und gemeinsames Lernen in einem verbindlichen pädagogischen Konzept. Eine rein optionale Lösung schafft dagegen unterschiedliche Bedingungen innerhalb einer Schule und erschwert eine verlässliche Finanzierung. Weil Schulunterricht an die Schulpflicht gebunden ist, sollte auch das Ganztagskonzept verbindlich ausgestaltet sein. Dafür werben wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten.
Wernau kann handeln – das Land muss die Weichen stellen
Unabhängig davon, wie einzelne Ergebnisse internationaler Bildungsvergleiche bewertet werden: In Deutschland besteht weiterhin ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg von Kindern. Gerade Defizite in der frühkindlichen Bildung verschärfen diese Ungleichheit.
Wernau kann vor Ort vieles richtig machen – und daran wollen wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten weiter konstruktiv mitarbeiten. Die entscheidenden Rahmenbedingungen setzt jedoch das Land. Es muss Kommunen dauerhaft finanziell entlasten und dafür sorgen, dass gute Bildung allen Kindern offensteht.
Investitionen in Bildung sind keine freiwillige Ausgabe. Sie sind Investitionen in die Zukunft unserer Stadt und unseres Landes.