Wernau und Windkraft, das ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Die große Zahl der Einwände, die von den Wernauern beim zuständigen Verband Region Stuttgart eingereicht wurden, zeugt von der kritischen Anteilnahme der Bevölkerung an dieser Thematik (insgesamt gingen aus Wernau 550 Einwände ein). Damit nimmt Wernau gemessen an der Anzahl der Einwände den 2. Platz aller in der Region betroffener Kommunen ein.
Am 14.12.2012 fand der Kreisparteitag der SPD-Esslingen zum Thema „Zukunft der Windkraft“ in Aichwald statt. Wolfgang Sieler, Henriette van der Veeken und Petra Koemstedt nahmen als Delegierte an dieser Veranstaltung teil.
Vortragender war neben dem Technischen Direktor des Verbands Region Stuttgart, Thomas Kiwitt, der Dipl. Ing. (BA) Dieter Hallmann, Vorstand der Energiegenossenschaft Ingersheim. Dieser informierte die Anwesenden über die Schwierigkeiten und Chancen, die sich für die Gemeinde Ingersheim durch den Bau einer Wind-Energie-Anlage (WEA) ergaben.
Erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand für Recherchen, Messtechnik und Informationen musste aufgebracht werden um die üblichen Gegenargumente weitgehend entkräften zu können.
Als Kommune in der Nachbarschaft des Atomkraftwerks Neckarwestheim gab es hier natürlich noch eine spezielle Motivation. Die Initiatoren des Projekts, zu denen Herr Hallmann zählt, sehen in ihrer Vorreiterrolle einen kleinen Beitrag zur Energiewende. Mit seiner umfangreichen Erfahrung aus der Praxis konnte Herr Hallmann den Delegierten ihre Fragen fachlich fundiert beantworten. Auch kritische Geister stimmten ihm in seiner Ansicht zu, dass es für den Wirtschaftsstandort Stuttgart mit seinen energieintensiven Produktionsstätten essentiell ist, auch in Zukunft mit bezahlbarem Strom beliefert zu werden. Regenerative Energie, wie Windkraft dient dazu.
Wolfgang Drexler wies darauf hin, dass dies auch den Punkt Netzausbau betrifft, bei dem es darauf ankommt, möglichst dezentrale Standorte zu schaffen, weil man damit wesentlich weniger finanzielle Ressourcen für die Stromnetzmodernisierung benötigt. Schließlich könne es nicht sein, dass man Stromtrassen quer durch Deutschland von der Nordsee bis nach Süddeutschland legt. Noch weniger sinnvoll sei es, so Herr Hallmann, Solarstrom aus Afrika bis nach Deutschland zu transportieren. Dies sei allein wegen der benötigten Stromtrassen kaum vorstellbar. Abgesehen davon würde man sich auch zukünftig von anderen Ländern abhängig machen.
Auf die Frage der Nachhaltigkeit und der stetigen technischen Weiterentwicklung von WEAs angesprochen, antwortete er, dass es hierfür konkrete Vorgaben für Betreiber gibt. Die Energiegenossenschaft Ingersheim hat für den Rückbau eine Versicherung abgeschlossen, die bei einer zukünftigen Stilllegung die finanziellen Risiken absichert. Dies sei heutzutage gesetzlich festgeschrieben. Anders als bei einem Kernkraftwerk sei der Abbau problemlos zu bewerkstelligen. Dies ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. WEAs können heutzutage teilweise nachgerüstet werden, wichtig sei jedoch, dass man im Vorfeld die technischen Möglichkeiten umfangreich auslotet, bevor man sich für einen Windradtyp entscheidet.
Die wichtigste Aufgabe sei jedoch, die Bevölkerung über alle Risiken und Chancen zu informieren, die Einwände ernst zu nehmen, wo es nötig ist, Verbesserungen vorzunehmen und für Transparenz und Teilhabemöglichkeiten zu sorgen. Information ist das A und O, um Windkraft auch in Baden-Württemberg erfolgreich zu etablieren.
In der aktuellen Informationsbroschüre "Bürger machen Energie" und auf der Internetseite der Energiegenossenschaft Ingersheim gibt es für alle Interessierten Informationen zu diesem Thema.
Petra Koemstedt