SPD Wernau

Warum wir höhere Kita-Gebühren ablehnen

Veröffentlicht am 07.08.2026 in Gemeinderatsfraktion

Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um Elternbeiträge, Familienentlastung und die Frage, was uns gute Kinderbetreuung in Wernau wert ist.

Viele Familien in Wernau kennen die Situation nur zu gut: Die Lebenshaltungskosten steigen, Wohnen wird teurer, der Alltag mit Kindern verlangt ohnehin viel Organisation – und dann steht auch noch eine Erhöhung der Kita-Gebühren im Raum. Genau deshalb haben wir der vorgeschlagenen Erhöhung der Elternbeiträge nicht zugestimmt.
Uns ist bewusst: Diese Entscheidung ist kein kleiner Schritt. Sie greift in das bisherige System der Beitragsberechnung ein. Aber aus unserer Sicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, grundsätzlich darüber zu sprechen, wie Kinderbetreuung in unserer Stadt künftig finanziert werden soll.
Denn am Ende geht es nicht nur um eine einzelne Gebührenerhöhung. Es geht um eine größere Frage: Wie viel Verantwortung tragen Eltern allein – und wie viel Verantwortung übernimmt die Gemeinschaft?

Klar ist: Gute Betreuung und Bildung kosten Geld. Dieses Geld kommt aus verschiedenen Quellen – vom Bund, vom Land, von der Stadt, von kirchlichen oder freien Trägern und auch von den Eltern. Die Frage, wer welchen Anteil trägt, ist deshalb seit Jahren ein Streitpunkt. Und sie wird uns auch künftig beschäftigen.
Häufig wird dabei auf das sogenannte 20-Prozent-Ziel verwiesen: Elternbeiträge sollen ungefähr ein Fünftel der Kosten decken. Dieses Ziel stellen wir grundsätzlich infrage. Denn nur weil eine Empfehlung seit Jahren im Raum steht, heißt das nicht, dass sie für jede Kommune und jede Lebenssituation richtig ist.
Wichtig ist außerdem: Bei diesen Beiträgen handelt es sich um Empfehlungen, nicht um verpflichtende Vorgaben. Städte und Gemeinden haben Spielräume. Sie können eigene Entscheidungen treffen – und genau diesen Spielraum sollten wir nutzen, wenn Familien sonst immer stärker belastet werden.
Wir sagen: Kinder sind nicht nur Privatsache. Kinder sind eine gesellschaftliche Aufgabe. Diesem Satz stimmen im Grundsatz viele zu. Entscheidend ist aber, ob wir ihn auch dann ernst nehmen, wenn konkrete Beschlüsse anstehen.
Wenn wir Familien entlasten wollen, wenn wir Bildungsgerechtigkeit stärken wollen und wenn wir Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur in Sonntagsreden unterstützen möchten, dann dürfen Elternbeiträge nicht automatisch immer weiter steigen.
Aus diesem Grund haben wir die von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung abgelehnt. Für uns ist das ein klares Signal: Wir stehen in dieser Frage bewusst an der Seite der Eltern.
Natürlich hat diese Entscheidung Folgen. Im Haushalt 2027/2028 werden dadurch rund 145.000 Euro fehlen. Das sagen wir offen. Dieses Geld muss an anderer Stelle eingespart werden. Auch darüber wird es im Herbst schwierige Diskussionen geben.
Aber politische Entscheidungen bedeuten immer auch, Schwerpunkte zu setzen. Unser Schwerpunkt ist klar: Familien dürfen nicht jedes Mal als Erste zur Kasse gebeten werden, wenn Kosten steigen.
Gute Kinderbetreuung ist keine freiwillige Zusatzleistung. Sie ist eine Investition in Familien, in Chancengerechtigkeit und in die Zukunft unserer Stadt. Deshalb halten wir eine grundsätzliche Debatte über die Finanzierung unserer Kitas für notwendig – und deshalb haben wir der Erhöhung der Elternbeiträge nicht zugestimmt.